Fahrrad fahren I

Ich biege mit Schwung in die Straße und lasse mich rollen, denn gleich geht es wieder bergauf, der Turnierfahrer teilt sich seine Kräfte ein. In der nun folgenden, leicht nach links strebenden Kurve sehe ich ein parkendes Polizeiauto.

Es passiert, was immer passiert, wenn ich ein Polizeiauto sehe. Wenn ich ein Polizeiauto sehe, dann frage ich mich, welcher kriminalistischen Tätigkeit die Beamten wohl nachgehen – und natürlich sorgt dies für ein angenehmes Erschaudern, einen wohligen Grusel. Wird gerade ein Einbrecher gefasst, wird jemand einkassiert, ein Haftbefehl vollstreckt? Oder statuieren die Gesetzeshüter jetzt ein Exempel an einem weniger schweren Fall, führen sie einen Falschparker vor, setzen sie einem Wildpinkler zu?

Ich denke und rolle, dann sehe ich Menschen in gelben Warnwesten, auch Polizisten darunter, sie beugen sich zur Erde, die Körper bewegen sich hektisch – gleich ändert sich mein Gefühl, das genüssliche Vergnügen weicht der Scham, da liegt vielleicht einer, jetzt wird es ernst, es geht um ein Menschenleben.

Nein, geht es nicht.

Ich trete in die Pedale und sehe einen Hund; die Menschen, die Polizisten scharen sich um einen Hund, dann richten sie sich auf, da sind noch mehr Hunde, sie stellen sich nebeneinander auf, die Hunde davor, ein Gruppenbild – nun fällt mir auch der Wagen zur linken auf, ein ziviles Fahrzeug, grau-metallic, eine kleine, blaue Rundumleuchte auf dem Dach.

Die Entwarnung ist eine Enttäuschung, natürlich auch ein Aha-Erlebnis. So wie neulich, als ein Polizeiauto bei uns in der Straße parkte, die Kollegin auf der Beifahrerseite ausstieg, die Mütze zurechtrückte, den Rücken durchbog, in Richtung unseres Hauses lief, den Blick ganz leicht verengt vielleicht – und dann abdrehte, weil montags der Bäcker Ruhetage hat.